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Anreise über die Nordheide

Es ist etwa 9:00 Uhr an einem noch sonnigen Samstagmorgen, als ich meine Motorradklamotten anziehe und meine Wochenendtour ins Weserbergland mit einer Fahrt Richtung Elbtunnel starte. Der Tank ist noch fast voll und das Wetter, entgegen aller Vorhersagen, noch sehr gut. Trotzdem habe ich die ganze Zeit das ungute Gefühl, dass das vorhergesagte dicke Regengebiet weiter südlich auf meinem geplanten Track mich noch ordentlich erwischen wird.

Die Gedanken verdränge ich aber fürs Erste wieder, denn meine Strecke durch die Nordheide gefällt mir sehr gut und ich will das Wetter genießen, solange es sich hält. Kleine Dörfer, Felder und vor allem richtig typische Heidelandschaft ziehen an mir und meiner GS vorbei. Ich bekomme langsam richtig Vorfreude auf die Strecke, die noch vor mir liegt.

In Rethem fahre ich über die Aller. Die Bäume sind schön grün und alles hat schon angefangen zu blühen. Mir fällt auf, dass die Alleen hier ja doch gar nicht so weit gestreut sind, wie ich es oft im Kopf hatte.

Zwischen Nienburg und Stolzenau fahre ich zum ersten Mal so nah an der Weser entlang, dass ich sie sehen kann. Das verleiht der Landschaft noch das I-Tüpfelchen.

Irgendwann geht es in etwas Entfernung am Steinhuder Meer vorbei. Anders als auf der Schwarzwaldtour ist es dieses Mal aber nicht als Zwischenstopp eingeplant und ich fahre daher auch nicht so direkt daran vorbei, dass ich es sehen könnte.

Allmählich bekomme ich etwas Hunger und wünschte ich hätte entweder mehr gefrühstückt oder den Kaffee Stopp etwas eher eingeplant. Kurz bin ich daher versucht schon früher eine Pause zu machen, entscheide mich dann aber doch durchzuhalten, denn ich habe das Café besonders schön ausgewählt.

Endlich sehe ich Schilder, die mir mein Zwischenziel ankündigen. Nach weiteren 11 km fahre ich dann endlich am Ortsschild von Stadthagen vorbei. Links von mir taucht dann das Lusthaus Café auf, das leider keinen eigenen Parkplatz besitzt, sondern direkt im Stadtpark liegt.

Als ich nach kurzer Suche dann doch einen geeigneten Stellplatz für meine Maschine finde, geht es endlich hinein. Es sieht wirklich sehr schön aus. Klein aber sehr fein beschreibt es womöglich am besten.

Nach einem leckeren Latte und einem Stück sehr leckerer selbstgemachter Aprikosentorte, drehe ich noch eine kleine Runde um das Café durch den Park Richtung Motorrad. Ich bin satt und richtig zufrieden mit meiner Pause. Das Lusthaus Café ist eine echte Empfehlung wert!

Langsam wird es (zumindest aus der Sicht eines Hamburgers) leicht bergig und die Landschaft verrät allmählich wo es hingeht. Über Hameln fahre ich weiter Richtung Süden und meine Route fängt langsam an sich deutlich mehr zu schlängeln. Immer mehr Waldstücke und Kurven tauchen vor mir auf und ich sehe bis zu meinem Ziel immer wieder die Weser direkt neben mir aus der Landschaft ragen. Über Holzminden und Höxter geht es dann noch tiefer hinein ins Weserbergland. Ich bin definitiv an meinem Tourziel angekommen!

Irgendwann komme ich der Weser noch einmal ganz nah und erreiche mein Hotel in Würgassen direkt daran liegend. Leider wirkt das Hotel nicht sehr einladend, aber es ist ja nur eine Nacht und die heiße Dusche genieße ich trotzdem sehr.

Ganz in der Nähe finde ich einen Gasthof, der Spargel mit Lachsfilet anbietet. Da muss ich nicht lange überlegen und werde absolut nicht enttäuscht. Zusammen mit einem schönen Hefeweizen erstklassig lecker!

Es dämmert zwar schon langsam, aber ich hatte mir den Weser Skywalk , der von hier aus in nur 2 km zu erreichen ist, schon vorgemerkt. So starte ich also noch einen Verdauungsspaziergang den Berg hoch und durch den Wald. Nach einiger Zeit des Schilderfolgens und Wartens durch matschige, rutschige Waldwege hört die Beschilderung zur Aussichtsplattform plötzlich auf.

Ich gehe den Weg trotzdem solange weiter, bis es plötzlich wieder bergab geht und mir langsam komisch vorkommt. Ich breche vorzeitig ab, denn es wird nun auch dunkel und ich zweifle stark daran, dass hier nun noch eine Aussichtsplattform kommen soll.

Im Dunkeln kraxle ich also den Skywalk wieder zurück. Auch ohne Aussichtsplattform werde ich mit einem tollen Blick auf die Burg Würgassen belohnt. Mit schmutzigen Schuhen bin ich dann kurze Zeit später wieder im Hotel und genieße nach einem langen und erfolgreichen Tag die Sauna, bevor ich mich ins Bett lege.

Ausblick vom Skywalk auf die Burg Würgassen

Videozusammenfassung Tag 1

Rückfahrt durchs Weserbergland

Am nächsten Morgen, nach einem wirklich einfachen Frühstück, geht es dann endlich wieder auf den Bock. Eine richtig schön kurvige Strecke, die sogar ein paar Serpentinen mit sich bringt, führt mich als erstes nach Einbeck, wo ich beim PS Speicher einen spontanen Kaffee Stopp einlege.

Ich war im Sommer 2017 schon im Rahmen eines Kurzurlaubs hier, und bin Touren durch Weserbergland und Harz gefahren. Das Hotel Freigeist hat mir damals übrigens sehr gut gefallen, weshalb ich an dieser Stelle eine kurze Empfehlung aussprechen möchte. Auch ich werde hier sicherlich nochmal die ein oder andere Übernachtung buchen.

Weiter geht mein Weg durch schöne Landschaften, Wälder und kurvige Landstraßen. Ist es nicht unendlich schade, dass man für solche Strecken so weit fahren muss? Aber vielleicht ist es ja auch einfach schön, dass es somit etwas Besonderes bleibt. An einer Kurve im Wald entdecke ich einen kleinen Parkplatz, bleibe stehen und bewundere einen Moment lang die tolle Natur.

Bald schon sehe ich die ersten Schilder, die mir Nordstemmen und damit auch meinen nächsten Stopp ankündigen. Wie aus dem Nichts taucht ganz plötzlich Schloss Marienburg am Horizont auf. Majestätisch ragt es aus dem Wald heraus und macht Vorfreude es zu besichtigen. Nach der nächsten Kurve fahre ich auf einmal direkt darauf zu und umso näher ich komme, desto mächtiger erscheint es.

Toller Anblick; Anfahrt auf Schloss Marienburg

Nach einer kurzen Kurvenfahrt geht es links auf den Parkplatz zum Schloss. Ich steige ab und mache mich gemütlich auf den Weg in die Anlage. Schloss Marienburg sieht wirklich beeindruckend aus und durch die Sonne wirkt es unheimlich einladend.

Ich betrete den Innenhof der Festung und bestaune die neugotische Bauart und die entsprechenden Details. Dann setze ich mich für einen Latte und ein Stück Kuchen kurz hin.

Nach dieser kleinen Stärkung drehe ich noch eine kurze Runde um das Schloss, schieße ein paar Fotos und mache mich dann wieder auf den Weg zum Parkplatz, wo meine GS schon auf die Weiterfahrt wartet.

Schloss Marienburg

Ab jetzt verschwindet der Wald, die tolle Landschaft und damit leider auch mein Kurzurlaub langsam hinter mir in den Rückspiegeln. Als ich keine Berge mehr sehen kann ist klar: das Weserbergland liegt nun hinter mir.

Ich will aber nicht zu viel Trübsal blasen und versuche auch den eher unspektakulären Teil meiner Rückfahrt zu genießen. Durch die Lüneburger Heide, die ich ja auch ganz nett finde, geht es dann wieder steil Richtung Norden. Richtung Hamburg. Richtung Heimat.

Ein ganz kurzer Foto-Stopp bringt dieses Bild der Heidelandschaft zu Tage.

Über Landstraßen geht es relativ direkt wieder in den Norden. In Bispingen entdecke ich dann noch den Gasthof Menke und beschließe hier zu Abend zu essen.

Zum Schluss geht es dann bald auf die A7 und endgültig zum Elbtunnel. Jetzt huscht mir doch noch ein Lächeln über die Lippen, denn ich komme genau zur richtigen Zeit an. Ein schöner Sonnenuntergang legt sich über den Hamburger Hafen und die Skyline inklusive der Köhlbrandbrücke. Zu schade, dass es die in Zukunft vielleicht nicht mehr gibt, denn eigentlich ist sie doch ein Wahrzeichen Hamburgs.

Wie auch immer, im Sonnenuntergang komme ich im Hafen an und empfinde das als einen zünftigen Abschluss dieser Reise. Tatsächlich habe ich während der gesamten Tour nicht einen Tropfen abbekommen und nur ein paar nasse Straßen befahren (siehe Video).

Köhlbrandbrücke

Videozusammenfassung Tag 2

Tourverlauf

Nach 700 km fahre ich zu Hause zufrieden wieder auf meine Auffahrt und in meinem Kopf kreisen schon Pläne für die nächste Reise.

Fazit: Gute Kontakte zu Petrus zahlen sich aus, das Lusthaus Café in Stadthagen ist wirklich zu empfehlen, das Weserbergland war wieder eine Reise wert und ich habe nun noch mehr Lust auf die Sommertour (Freut euch auf den Bericht zum Sommerurlaub im August. Das Ziel bleibt weiterhin geheim, ist aber schon fest geplant.).

Übrigens: Mein Fernweh war dann tatsächlich so groß, dass ich schon für das nächste Wochenende wieder eine Tour geplant habe. Wozu gibt es Urlaubstage, wenn man sie nicht mit einer Motorradtour ehrt? 😉

Reisezeit 11.05.19 – 12.05.19

Zuletzt geändert: 25. Mai 2019

One Response to :
Kurztrip Weserbergland 2019

  1. Stefan Risse sagt:

    Schön geschrieben. Bist auf die Ottensteiner Hochebende gefahren? Oder durch die Rühler-Schweiz?
    Den Teufelsberg? Wenn Du noch einmal im Weserbergland bist, kann ich Dir ein paar schöne Strecken zeigen. Und auch Tips zur Übernachtung geben.
    Viele Grüße
    Stefan

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