BMW R 1300 GS Trophy vor einem See

Back to BMW: Warum ich wieder eine GS fahre

Anfang 2025 habe ich eine Entscheidung getroffen, die sich damals absolut richtig angefühlt hat: Ich habe mich von BMW getrennt.

Nicht aus Frust. Nicht, weil etwas schlecht war. Sondern weil es sich zu selbstverständlich angefühlt hat. Die GS konnte alles – vielleicht sogar zu gut. Ich wollte wieder dieses Gefühl haben, mich bewusst auf ein Motorrad einzulassen. Nicht einfach nur zu funktionieren.

Also habe ich mich bewusst für etwas anderes entschieden. Für einen Gegenentwurf. Für einen Klassiker in der Reiseenduro-Szene.

Der Schritt zur Africa Twin – bewusst anders

Die Entscheidung für die Honda Africa Twin war kein Zufall. Sie stand für genau das, was ich gesucht hatte: weniger Perfektion, mehr Charakter. Mehr Motorrad, weniger System.

Und am Anfang war das auch genau richtig. Die Africa Twin hat mich sofort abgeholt. Der satte Klang beim Starten des Motors, die schlanke Optik, die klassische Tricolor-Lackierung und dieses Gefühl von Abenteuer, das sie schon im Stand ausstrahlt.

Die ersten Kilometer fühlten sich an wie ein Neuanfang. Neue Sitzposition, anderes Fahrgefühl, eine andere Art, unterwegs zu sein. Es erinnerte mich sogar an meine ersten Jahre auf dem Motorrad, als ich bereits eine Africa Twin gefahren bin.

Die Maschine machte vieles richtig: Das Showa EERA-Fahrwerk arbeitete hervorragend, die Sitzposition war angenehm, der Quickshifter funktionierte ausgezeichnet und Android Auto beziehungsweise Apple CarPlay waren echte Pluspunkte. Anfangs hatte ich genau das gefunden, wonach ich gesucht hatte.

Der Alltag kommt – und mit ihm die Realität

Doch irgendwann wird jedes Motorrad Alltag. Und genau dann zeigt sich, was wirklich wichtig ist.

Es waren nicht die großen Defekte oder ein technischer Totalausfall, die meine Meinung verändert haben. Es war die Summe vieler Dinge, die mich im Alltag immer wieder beschäftigt haben.

Die Africa Twin hatte Charakter. Aber sie hatte eben auch Eigenheiten.

Der hohe Schwerpunkt war ständig präsent. Die Gasannahme im ersten Gang war ruppig. In engen Kehren bergauf fühlte ich mich nie ganz wohl. Dazu kamen spürbare Vibrationen, ein Motor, der während der Fahrt lauter wirkte als erwartet, und ein Verbrauch, den ich für die gebotene Leistung als relativ hoch empfand.

Dann waren da die vielen kleinen Dinge: Die umständliche Sitzbankverstellung, das störende Kabel am Gasgriff, die Kette nach vielen Jahren mit wartungsarmem Kardanantrieb, unbeleuchtete Tasten und eine Bedienlogik, die an manchen Stellen unnötig kompliziert wirkte.

Auch die Elektronik hinterließ bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Android Auto funktionierte nur kabelgebunden, die Bluetooth-Technik wirkte längst nicht mehr zeitgemäß und einige Anzeigen im Cockpit waren wenig intuitiv umgesetzt.

Dazu kam noch der Vertrauensverlust nach meinem Wegrutscher sowie die Erfahrung mit Honda rund um die Garantieverlängerung, von der ich nur knapp ausgeschlossen wurde. Das waren Dinge, die nicht direkt mit dem Fahren zu tun hatten, die aber trotzdem Einfluss auf das Gesamtbild hatten.

Jeder einzelne Punkt für sich genommen wäre vermutlich kein Grund für einen Motorradwechsel gewesen. Zusammen ergaben sie jedoch ein Gesamtbild, das mich immer häufiger nachdenklich machte.

Der schleichende Wandel

Es gab keinen einzigen Moment, an dem ich gesagt habe: „Das war’s.“

Es war vielmehr ein schleichender Prozess.

Mit jedem Kilometer wurde deutlicher, dass ich mich an Dinge gewöhnte, die ich eigentlich gar nicht akzeptieren wollte. Immer öfter suchte ich nach Lösungen. Andere Reifen. Andere Einstellungen. Zubehör. Anpassungen.

Irgendwann stellte ich mir die Frage, die ich mir bei einem Motorrad eigentlich nie stellen möchte:

Warum versuche ich ständig, etwas zu verbessern, das mich eigentlich von Anfang an überzeugen sollte?

Genau in diesem Moment begann die Rückkehr zu BMW eigentlich schon.

Die Africa Twin ist ein gutes Motorrad. Daran hat sich nichts geändert. Aber sie war für mich nicht das Motorrad, auf das ich mich jeden Tag aufs Neue gefreut habe.

Warum ich zurück zu BMW gegangen bin

Rückblickend habe ich etwas Wichtiges gelernt.

Ich habe BMW verlassen, weil ich dachte, die GS sei vielleicht zu perfekt geworden. Erst mit der Africa Twin habe ich gemerkt, wie viel Entwicklungsarbeit hinter genau dieser Perfektion steckt.

Viele Dinge, die ich bei BMW über Jahre für selbstverständlich gehalten hatte, waren eben nicht selbstverständlich.

Fahrwerk, Motor, Bedienung, Elektronik, Assistenzsysteme, Konnektivität und Ergonomie wirkten bei BMW wie aus einem Guss. Man steigt auf, fährt los und beschäftigt sich nicht mit dem Motorrad. Man fährt einfach.

Bei der Africa Twin funktionierte vieles gut.

Bei der GS funktionierte alles zusammen.

In meinem ersten Erfahrungsbericht schrieb ich damals noch: „Die GS macht alles ein bisschen besser.“

Heute würde ich das anders formulieren:

Die GS macht alles besser – und zwar mit einem deutlich größeren Abstand, als mir bewusst war, solange ich sie gefahren bin.

Back to BMW: Warum ich wieder eine GS fahre 1

Die erste Fahrt zurück auf der GS

Der Moment, als ich wieder auf einer GS saß, war interessant.

Es war kein großes Aha-Erlebnis. Kein spektakulärer Wow-Moment.

Es war eher ein ruhiges und gleichzeitig sehr eindeutiges:

Ja. Genau das.

Alles fühlte sich sofort vertraut an. Nicht langweilig, sondern stimmig. Du fährst los und denkst nicht nach. Du passt dich nicht an. Es passt einfach.

Und genau das hatte mir gefehlt, ohne dass ich es am Anfang wirklich benennen konnte.

Warum es jetzt die BMW R 1300 GS ist

Die Entscheidung für die neue GS war am Ende fast logisch. Wenn zurück, dann konsequent.

Die BMW R 1300 GS fühlt sich moderner, kompakter und direkter an als ihre Vorgängerin. Gleichzeitig hat sie genau das behalten, was für mich den Unterschied macht: dieses Gefühl, dass alles miteinander harmoniert.

Gerade nach einem Jahr mit einem bewusst anderen Konzept fällt das deutlicher auf als jemals zuvor.

Back to BMW: Warum ich wieder eine GS fahre 2

Fazit

Der Schritt weg von BMW war wichtig.

Ohne diesen Umweg hätte ich vieles nie so klar erkannt. Ich musste erst etwas anderes fahren, um zu verstehen, warum ich mit der GS über Jahre so zufrieden war.

Die Africa Twin hat mir gezeigt, dass Charakter allein für mich nicht ausreicht. Im Alltag zählen die vielen kleinen Dinge. Und genau dort trennt sich für mich die Spreu vom Weizen.

BMW hatte ich verlassen, weil ich etwas anderes gesucht habe.

Zurückgekommen bin ich, weil ich erkannt habe, dass ich eigentlich schon gefunden hatte, was am besten zu mir passt.

Und genau deshalb steht jetzt wieder eine GS in meiner Garage.

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