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Im Sommerurlaub 2019 traten Probleme mit der vorderen Bremse meiner BMW R1200GS LC ADV auf. Beim Betätigen des Bremshebels war immer ein akustisches Knacken in den vordernen Bremssätteln zu hören und beim Bremsen auch im Hebel zu spüren. Das gibt natürlich nicht gerade Sicherheit, wenn man in den Bergen unterwegs ist.

Nach dem Urlaub ging die Maschine dann zu BMW, wo das Problem beseitigt wurde.

Genau ein Jahr später hatte ich nun wieder exakt dasselbe Problem.

Ich wurde neugierig und informierte mich in Foren darüber, was das sein könnte. Es stellte sich schnell heraus, dass die Bremskolben durch Verschmutzung klemmen könnten. Des Weiteren habe ich dann auch erfahren, dass ein Reinigen der Bremskolben nicht in den Serviceintervallen von BMW vorgesehen ist.

Also habe ich mich mit dem Thema befasst und mir ATE Bremszylinder-Paste und später noch einen Bremskolben Rücksteller gekauft.

Da ich die passende Werkstatt-CD von BMW zu meiner Maschine besitze, lagen mir auch alle technischen Dokumente und Drehmomente vor.

Ausbau und Reinigung

Die Bremssättel habe ich also abgebaut und mit einem Stück Draht am Sturzbügel der ADV gesichert. Zusätzlich habe ich zwischen den Bremskolben noch ein Distanzstück gelegt, damit die Kolben nicht rausfallen, wenn man den Bremshebel unbeabsichtigt drückt.

Bremssattelwartung BMW R1200GS LC

Die Sättel hatten die zu erwartende Verschmutzung durch Bremsstaub. Allerdings sah man neben den normalen Ablagerungen auch Verschmutzungen bzw. Ablagerungen auf den blanken Bereichen, die im Kolben sitzen und durch die Dichtung laufen.

Nahaufnahme Verschmutzte Bremskolben

In einigen YouTube Videos wurden als nächstes die Bremssättel in Spülwasser eingeweicht, was ich dann auch tat. Allerdings bin ich mittlerweile der Meinung, dass dies nicht notwenig ist und Bürsten zum Reinigen ausreicht (so habe ich es dann auch mit der hinteren Bremse gemacht).

Bremssattel in Spühlwasser einweichen

Bremsenreiniger sollte man dafür nicht nutzen.

Nach dem Einweichen habe ich dann alles mit einer Bürste gereinigt und mit Druckluft vorsichtig ausgeblasen.

Mit einem Wattestäbchen habe ich die Bremszylinder-Paste auf die sauberen Kolben aufgetragen und alles gut eingeschmiert. Hier kommt es nicht auf die Menge an, sondern das alles gut benetzt ist.

Danach habe ich dann versucht die Kolben mit den Fingern langsam zurückzudrücken. Einge Kolben gingen leicht andere überhaupt nicht und so musste ich mechanisch nachhelfen. Diesen Vorgang habe ich so oft wiederholt, bis alle Kolben leichtgängig waren.

Das Malheur

Dann ist mir alledings ein kleines Malheur passiert. Ich war unaufmerksam, weil alles so gut flutschte und habe dann einen Kolben zu schnell reingedrückt. Ein anderer Kolben hat sich dadurch im gleichen Tempo rausgedrückt, bis er aus der Dichtung war. Natürlich lief die Bremsflüssigkeit dann aus, aber ich konnte den Kolben zum Glück wieder vorsichtig in die Dichtung zurückdrücken.

Deswegen seid bitte vorsichtig. Das war dann auch der Grund, den Bremskolben-Rücksteller zu kaufen. Damit kann man sehr feinfühlig immer zwei Kolben zurückdrücken (ohne zu verkannten). Für alle vier Kolben ist die Auflagefläche leider zu klein.

Tipp: Wenn Bremsflüssigkeit ausläuft, sofort mit viel Wasser die betroffenen Bereiche abspülen. Beachtet bitte auch unbedingt die Sicherheitshinweise, auf der Bremsflüssigkeit! Handschuhe und Schutzbrille tragen!

Der Zusammenbau

Nachdem ich alles wieder gut gereinigt hatte, wurden auch die letzten überschüssigen Fettreste der reingeschobenen Bremskolben entfernt.

Die Bremsbeläge werden trocken eingesetzt, ohne Keramikpaste. Kupferpaste wird schon seit Jahren nicht mehr genutzt!

Die Sicherungsschraube der Bremsbelege wird mit 6 Nm angezogen, die Schrauben der vorderen Bremssättel mit 38 Nm. Der hintere Bremssattel wird mit 24 Nm und neuen mikroverkappselte Schrauben bzw. den alten Schrauben mit einem Tropfen mittelfester Schraubensicherung befestigt.

Zum Schluss habe ich noch die Bremsscheiben mit einem sauberen Tuch und Bremsenreiniger gereinigt.

Das Ergebnis

Die Aktion war ein voller Erfolg. Kein Knacken mehr und alles absolut geschmeidig.

Allerdings trat im letzten Drittel des Hebelweges des Bremshebels immer noch ein anderes Knacken auf. Es fühlte sich wie das Zerplatzen einer Luftblase an.

Nun dachte ich wie Forrest Gump, denn wenn ich es schon bis hier geschafft habe, dann geht es auch noch weiter.

Thema Entlüften

Ein neues Thema bedarf auch neuer Information. Also habe ich auch hierbei erstmal wieder Infos eingeholt, da ich zukünftig das Entlüften regelmäßig machen möchte.

Ich habe mich dann relativ schnell für Stahlbus Entlüftungsventile entschieden, da mich die Argumente des Herstellers überzeugt haben und Stahlbus auch einen sehr guten Ruf im dem Umfeld genießt.

Für meine K51 habe ich für vorn 2 x SB130111 und für hinten 1 x SB110412 gekauft. Zusätzlich habe ich noch DOT4 Bremsflüssigkeit und eine Entlüftungshilfe besorgt.

Eine passende Stahlbus-Übersicht für euer Motorrad findet ihr hier.

Montage

Die Montage ist relativ einfach. Man muss nur die alte Entlüftungschraube (hinten) bzw. Hohlschrauben (vorn) entfernen und durch Stahlbus ersetzen.

Beim Austausch bitte beachten, dass besonders vorn relativ viel Bremsflüssigkeit ausläuft. Deswegen unbedingt die Bremsbelege rausnehmen und alles mit viel Wasser reinigen! Auch Papier zum Aufsaugen sollte bereitliegen.

Stahlbus Entlüftungsventil
Vorn (mit Kappe)

Neue Dichtungen sind für die vorderen Hohlschrauben mit dabei. Zum Drehmoment der Hohlschrauben gibt es leider widersprüchliche Aussagen von Stahbus und deswegen habe ich mit 24 Nm (lt. BMW) angezogen. Hinten sind es 10 Nm.

Stahlbus hat mir mittlerweile bestätigt, dass es einen Fehler in den Monatgeanleitungen gab. Die Hohlschrauben dürfen max. mit 25 Nm angezogen werden.

Stahlbus Entlüftungsventil
Hinten

Das Entlüften

Schaut euch einfach Videos auf YouTube an, dort ist alles sehr gut beschrieben.

Letztendlich muss man die Entlüftungsschraube eine halbe Umdrehung öffnen und mit dem Bremshebel die Bremsflüssigkeit rausdrücken. Man sieht sehr gut die Luftblasen im angeschlossen Schlauch der Entlüftungshilfe.

Immer darauf achten, dass genug Bremsflüssigkeit im Ausgleichtsbehälter ist und nicht leer pumpen!

Wenn keine Luftblasen mehr zu erkennen sind, dass Ventil schließen und mit 8 Nm anziehen. Ausgleichsbehälter nicht vergessen zu befüllen, aber nicht überfüllen!

Das Ergebnis

Ich war sehr überrascht, wie gut nun der Druckpunkt ist. Auch das letzte Knacken im Bremshebel ist nun weg.

Eine perfekte Bremse!

Hinweis

Bitte beachtet, dass das Arbeiten an Bremsen sicherheitsrelevant und alles auf eigene Gefahr ist.

Es ist kein Hexenwerk, wenn man sorgfälltig arbeitet und über das passende Werkzeug und Wissen verfügt.

Meine Hemmschwelle ist jedenfalls gesunken und zukünftig brauche ich deswegen nicht mehr in die Werkstatt. Ein netter Nebeneffekt ist, dass ich nun auch weiß, wie einfach es ist die Bremsbelege an meiner BMW zu wechseln :-).

Zuletzt geändert: 31. Juli 2020

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