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Durch eine Frage in einem Forum, ob man bei einem Unfall einem Motorradfahrer den Helm abnehmen soll oder nicht, habe ich bemerkt, dass für viele die Maßnahmen am Unfallort nicht eindeutig bekannt und sie dadurch verunsichert sind. Da ich im Rahmen meiner Tätigkeiten als Freiwilliger bei der Hamburger Feuerwehr mit diesem Thema zu tun habe, werde ich auf dieser Seite die Vorgehensweise der Sofortmaßnahmen am Unfallort und die Erste Hilfe vorstellen und vertiefen.

Bei einem Motorradunfall gibt es viele Dinge, die vom Ersthelfer berücksichtigt werden sollten.
Wenn bei einem Unfall dem Fahrer nichts Wesentliches passiert ist, wird dieser immer versuchen, den Helm selbst abzunehmen. Wenn dies der Fall ist, den Fahrer dennoch auf lebensbedrohliche Blutungen und andere Verletzungen überprüfen. Der Betroffene muss nicht hingelegt werden und sollte sich so bewegen, wie es für ihn am Besten ist.

Vorsicht!

Diese Personen stehen fast immer unter Schock, dürfen niemals alleine gelassen werden und brauchen persönliche Betreuung. Es kann sein, dass die betroffenen Personen unvorhersehbare Aktionen durchführen (z.B. Herumlaufen).

Ansprechbare Person nach Unfall

Person ist ansprechbar aber verletzt und kann den Helm selbst nicht abnehmen. Person auf lebensbedrohliche Blutungen untersuchen und diese behandeln, z.B. Druckverband, kein Abbinden! Beim Verlust von Gliedern Abbinden möglich, besser ist allerdings, die Wunde mit Druck zu verschließen, z.B. durch Handauflegen (Latexhandschuhe nicht vergessen anzuziehen). Beim Abbinden Uhrzeit merken wann abgebunden wurde und den Rettungskräften später mitteilen.

Der Helm wird immer abgenommen. Das Risiko ist zu hoch, dass die Person bewusstlos wird und an Erbrochenem oder der eigenen schlaff-zurückfallenden Zunge erstickt.

Die weitere große Gefahr beim Verschlucken von Erbrochenem ist, dass diese Flüssigkeit (mit Magensäure) in den Lungen der Betroffenen schwere Langzeitschäden zur Folgen haben kann oder man daran stirbt.

Person so hinlegen oder setzen, wie es für den Betroffenen am besten und schmerzfreiesten ist!
Betroffenen betreuen.

Nicht ansprechbare Person nach Unfall

Bewusstlosigkeit feststellen durch lautes Ansprechen und Rütteln der Person (ein Schmerzreiz wird nicht mehr ausgeführt).
Keine Reaktion, dann den Helm sofort abnehmen, feststellen lebensbedrohlicher Blutungen.
Überprüfung der Atmung durch Überstrecken des Kopfes und durch Hören der Atemgeräusche und Fühlen des Brustkorbes.

Atmung vorhanden

Eventuelle lebensbedrohliche Blutungen behandeln, stabile Seitenlage durchführen, dabei den Kopf fixiert (siehe unten) halten, beim Drehen vorsichtig mitdrehen und mit Zug fixieren (in der stabilen Seitenlage).

Atmung nicht mehr vorhanden (eine Pulskontrolle wird nicht mehr durchgeführt, da man davon ausgeht, dass bei Atemstillstand auch keine Vitalfunktionen mehr vorhanden sind)

Beginn der Herzdruckmassage

30 x Druckmassage / 2 x Beatmen  (Frequenz 100/Minute, Drucktiefe ca. 4-5 cm)

Wiederbelebung durchführen bis die Rettungskräfte oder ein Arzt eintreffen und zum Abbruch auffordern!
Der Druckpunkt für die Herzdruckmassage befindet sich mittig zwischen den Brustwarzen.

Um sich selbst gegen Krankheiten wie z.B. HIV zu Schützen oder vor Ekel, gibt es kleine mobile Masken für die Beatmung. Diese Masken bekommt man in der Apotheke oder Fachhandel z.B. von Laerdal.


Noch einige sehr wichtige Hinweise

Immer zuerst die Unfallstelle absichern.
Dann die Sofortmaßnahmen einleiten, Notruf absetzen (eventuell auch durch Dritte) und Erste Hilfe durchführen.
Beim Absetzen des Notrufs ist es wichtig, zu sagen, ob der Betroffene ansprechbar ist oder nicht (Welche Art von Verletzungen?). Wenn die Leitstelle hört, dass das Unfallopfer bewusstlos ist, wird immer ein Notarzt mit alarmiert.

Die fünf W`s für die Meldung eines Notruf 112 sind:

Wo geschah es?
Was geschah?
Wie viele Verletze?
Welche Art von Verletzungen?
Warten auf Rückfragen?

Bitte immer versuchen Ruhe zu bewahren!

Mitfahrer oder Zuschauer direkt ansprechen und Aufgaben verteilen! Dazu ist jeder verpflichtet und bei Widersetzung, diese Personen am Ende der Polizei melden!

Helm abnehmen

Eine gute Helmabnahme geht eigentlich nur mit zwei Personen. Dazu immer andere zur Unterstützung heranziehen.
Eine Person ist hinter dem Kopf, die andere an der Seite des Brustkorbes. Der Kopf wird nun von der Person, der sich an der Seite des Brustkorbes befindet fixiert, indem er mit beiden Händen den Hals und Hinterkopf festhält! Sehr anstrengend!
Der andere öffnet dann den Helm, zieht diesen an den Seiten auseinander und streift dann den Helm langsam und sehr vorsichtig vom Kopf ab. Dabei wird der Kopf nicht bewegt und nur durch die Fixierung des Helfers gehalten. Der Kopf wird NICHT abgelegt!
Danach übernimmt der Helfer, der sich am Kopf befindet, die Fixierung und hält diesen ständig unter leichtem Zug, um die Wirbelsäule zu entlasten! Sehr anstrengend!
Der Kopf bleibt immer in einer Linie zum Körper. Alle Bewegungen des Körpers müssen vom Kopffixierer mitgeführt werden.

Anmerkungen

Habt keine Angst, den Helm abzunehmen. Horrorgeschichten, wie z.B., dass die halbe Schädeldecke im Helm bleibt, sind zwar möglich aber er unwahrscheinlich. Wenn keine Atmung und/oder Vitalfunktion mehr vorhanden ist, ist das ist dieses der einzige Weg, überhaupt noch etwas zu retten!
So, ich hoffe, ich habe nicht viel vergessen und etwas zur Sicherheit beitragen können.

 

Ein Vorschlag der * Rettungsdienste* 



Liebe Verkehrsteilnehmer, 

die Retter und Ambulanzfahrer haben bemerkt, dass bei Straßenunfällen die meisten Verwundeten ein Mobil-Telefon bei sich haben. Bei den Einsätzen weiß man aber nicht, wer aus den langen Kontaktlisten zu kontaktieren ist. 

Ambulanzfahrer haben also vorgeschlagen, dass jeder in seine Kontaktlisten die im Notfall zu kontaktierende Person unter demselben Pseudo eingibt. Das international anerkannte Pseudo ist: 

ICE (= In Case of Emergency). Unter diesem Namen sollte man die Person eintragen, welche in einem Notfall durch Polizei und Feuerwehr anzurufen ist. 
Sind mehrere Personen zu kontaktieren, braucht man ICE1, ICE2, ICE3, usw. 

Leicht, kostet nichts, kann aber viel bringen. Bitte diese Meldung an Freunde und Bekannte weiterleiten, damit dieses Verfahren weltweit Anwendung finden wird!

 

Legende:

RTW = Rettungswagen

Zuletzt geändert: 4. Oktober 2018

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