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Schaut man sich die Foren zu diesem Thema an, findet man unzählige Fragen und Probleme. Mit dieser Zusammenfassung möchte ich versuchen etwas Klarheit darüber zu schaffen, wie Sena Headsets funktionieren und was man bei der Bluetooth-Kommunikation berücksichtigen muss.

Über die von mir genutzten Sena Headsets habe ich in den Berichten zum 10R und SRL2 schon einiges geschrieben.

Sena unterstützt nachfolgende Protokolle in seinen Headsets

Kopplungsart Headset         Bluetooth Protokolle

Handy 1                                 – A2DP, HSP/HFP, AVRCP und SENA Utility APP
Handy 2                                 – A2DP, HSP/HFP, AVRCP und SENA Utility APP
GPS                                        – A2DP, HSP/HFP
Medienkopplung                  – A2DP, AVRCP
Ausgewähltes Handy          – HSP/HFP

Welche Bluetooth Protokolle nutzen welche Geräte/Dienste?

Telefonie                                – HSP/HFP
Navigationsgeräte               – HSP/HFP und/oder A2DP
Musik                                     – A2DP

Was bedeuten die Abkürzungen?

HSP (Handset Profile) – liefert die grundlegende Funktionalität, die für die Kommunikation zwischen einem Mobiltelefon und einem Headset benötigt wird.

HFP (Hands Free Profile) – bietet im Vergleich zu HSP eine geringfügig erweiterte Funktionalität und wurde ursprünglich entwickelt, um ein Mobiltelefon über eine im Auto installierte Freisprecheinrichtung zu bedienen.

A2DP (Advanced Audio Distribution Profile) – Ermöglicht die Übertragung von Stereo-Audiosignalen (mit erheblich besserer Qualität als die bei HSP und HFP verwendete Mono-Codierung).

AVRCP – Ist ein Bluetooth-Profil zur Fernsteuerung von Audio- oder Videogeräten.

Es gibt bei Sena zwei Arten von Audio-Multitasking (Überlagerung)

Mit Audio-Multitasking bzw. Überlagerung ist gemeint, dass bei einer aktiven Intercom-Verbindung mit einem anderen Teilnehmer, z.B. die Navigationsansagen im Hintergrund eingeblendet werden, ohne das Gespräch zu unterbrechen.

➔ „Echtes“ Audio-Multitasking für Geräte die einen zusätzlichen Bluetooth Chip eingebaut haben, der nicht für eine Bluetooth Intercom-Verbindung genutzt wird. Ich nenne das nachfolgend „HD-Audio-Multitasking”.

  • 20S/20S EVO, SRL/SRL2 im Vier-Wege Modus
  • 30K, 50R/50S im Mesh-Modus

„Software“ Audio-Multitasking für Geräte die Intercom und Bluetooth Endgeräte auf einem Bluetooth Chip verarbeiten.

  • 5S, 10S, 10R
  • 20S/20S EVO, SRL/SRL2 im Acht-Wege Modus
  • 30K, 50R/50S im Bluetooth Intercom-Modus

Software Audio-Multitasking ist mit deutlichen Qualitätseinbußen behaftet. HD Intercom steht dann nicht mehr zur Verfügung.

Software Audio-Multitasking funktioniert in der Regel bei Intercom-Verbindungen nur mit einem weiteren Intercom-Teilnehmer. Ab dem zweiten Gruppen-Teilnehmer steht die Funktion nicht mehr zur Verfügung, da die Rechenleistung für die weiteren Intercom-Verbindungen benötigt werden.

Q&A

Frage:

Ist es richtig, dass HSP/HFP immer die höchste Priorität hat und HSP/HFP, z.B. bei einem Telefonanruf, immer andere Verbindungen unterbrechen wird, wie z.B. eine Intercom-Verbindung?

Antwort:

Ja, das ist richtig.


Frage:

Führt es immer zu einer Unterbrechung der Bluetooth Intercom-Verbindung, wenn von einem Navigationsgerät (im Sena = „GPS koppeln“) die Navigationsansagen per HSP/HFP übertragen werden?

Antwort:

Ja, mit Ausnahme von Headsets, welche HD-Audio-Multitasking oder Audio Overlay (SF-Serie) besitzen. Bei den Geräten 20S/20S EVO, SRL/SRL2 (nur im Vier-Kanal Modus) und 30K, 50R/50S (nur im Mesh-Modus) wird dann, sofern die Funktion aktiviert ist, eine Überlagerung der Intercom-Verbindung durchgeführt.

Eingeschränkt gilt das auch für das 5S, 10S, 10R und 30K, 50R/50S (im Bluetooth Intercom-Modus) mit Qualitätseinbußen (Software Audio-Multitasking).


Frage:

Ist es richtig, dass die Navigationsansagen, die von einem Navigationsgerät per A2DP übertragen werden, keine aktive Intercom-Verbindung unterbricht, aber man diese Ansagen auch nicht mehr hören kann?

Antwort:

Richtig, mit Ausnahme von Headsets welche HD-Audio-Multitasking besitzen. Bei den Geräten 20S/20S EVO, SRL/SRL2 (nur im Vier-Kanal Modus) und 30K, 50R/50S (nur im Mesh-Modus) wird dann, sofern die Funktion aktiviert ist, eine Überlagerung der Intercom-Verbindung durchgeführt.

Eingeschränkt gilt das auch für das 5S, 10S, 10R und 30K, 50R/50S (im Bluetooth Intercom-Modus) mit Qualitätseinbußen (Software Audio-Multitasking).

Anmerkung:

A2DP hat immer eine geringere Priorität als HSP/HFP, da A2DP eigentlich für Musik bestimmt ist.

(Manche Headsets besitzen eine „Unterstützung für Navigationsapp“. Dies ist je nach FW unterschiedlich und leider schwer vorherzusagen, ob diese Art der umpriorisierung funktioniert)


Frage:

Was passiert, wenn ein Navigationsgerät im Sena als „GPS koppeln“ gekoppelt ist, für Navigationsansagen das HSP/HFP Protokoll nutzt und ein Telefonanruf vom Smartphone (Handy1+2) erfolgt? 

Antwort:

Ein Telefon (Handy1+2) hat immer eine höhere Priorität als das Navigationsgerät (GPS-Gerät) und unterbricht die Navigationsansage (die GPS-Kopplung hat eine niedrigere Priorität).


Worin liegen die Unterschiede der Sena Headsets?

Es gibt Zwei-Wege-Intercom Geräte, wie zum Beispiel 3S, 3S Plus, 5S, SMH5, SF2, für einen weiteren Intercom-Teilnehmer.

Es gibt Geräte mit Vier-Wege-Intercom, wie zum Beispiel SMH5-Multicom, 10S, 10R, 10C/10CPro/10C EVO, SF4 usw., welche maximal drei weitere Intercom-Teilnehmer unterstützen.

Es gibt Acht-Wege-Intercom Geräte, wie zum Beispiel 20S/20S EVO, SRL/SRL2, welche bis zu 7 Intercom-Teilnehmer unterstützen.

Es gibt Mesh-Geräte, wie zum Beispiel 30K, 50R/50S, welche bis zu 16 und mehr Mesh-Teilnehmer unterstützen und außerdem Vier-Wege-Bluetooth-Intercom beherrschen.

Es gibt reine Mesh Geräte, wie zum Beispiel das Spider ST/RT, welche ausschließlich die Mesh Technologie mit bis zu 16 und mehr Mesh-Teilnehmern unterstützen, jedoch nicht Bluetooth-Intercom unterstützen.

Das bedeutet im Detail:

  • Die 10er Serie hat einen Bluetooth 4.1 Chip eingebaut, der für Bluetooth-Intercom und Endgeräte zuständig ist.
  • Die 20er Serie hat zwei Bluetooth 4.1 Chips eingebaut. Einer ist für die Endgeräte zuständig und der zweiten Bluetooth Chip ist für Bluetooth-Intercom reserviert. Im Acht-Wege-Modus ist allerdings auch der erste Chip für Bluetooth-Intercom zuständig!
  • Die 30er Serie hat einen Bluetooth 4.2 Chip eingebaut, der für Bluetooth-Intercom und Endgeräte zuständig ist, sowie einen Mesh (2.0) Chip.
  • Die 50er Serie hat einen Bluetooth 5 Chip eingebaut, der für Bluetooth-Intercom und Endgeräte zuständig ist, sowie einen Mesh (2.0) Chip.
  • Die Spider Serie hat einen Mesh 2.0 Chip.

Anmerkungen:

Ausschlaggebend für die Anzahl der Intercom-Teilnehmer in einer Gruppe ist immer das schwächste Headset in der Gruppe. So ist es zum Beispiel mit einem 3S nie möglich, mehr als einen Intercom-Teilnehmer zu verbinden, auch wenn die anderen Intercom-Teilnehmer ein 20S EVO nutzen.

Bei Geräten mit mehr als einem Bluetooth-Chip (z.B. 20S/20S EVO, SRL/SRL2), bzw. Mesh-Chip (30K, 50R/50S), dient der zweite Bluetooth- oder Mesh-Chip ausschließlich der Kommunikation zu anderen (Sena) Headsets.

Das bedeutet z.B. auch, dass ein 20S Evo nicht gleichzeitig Musik vom Smartphone wiedergeben und Ansagen vom Navigationsgerät einblenden kann, da der zweite Chip für die Intercom-Verbindungen reserviert ist und der erste Chip nur eine Audioquelle aktiv wiedergeben kann.

Aktiviere ich z.B. beim 20S Evo die Acht- anstelle der Vier-Wege-Kommunikation, wird der erste Chip auch für Intercom belegt und ist dann nur noch für Intercom nutzbar und nicht mehr für Navigation oder Musik. Hier steht dann nur noch die Software Audio-Überlagerung mit Qualitätseinbußen zur Verfügung.

Nutze ich bei Mesh-Geräten (30K, 50R/50S) die Bluetooth Intercom-Verbindungen, z.B. zu einem 20S/20S EVO, SRL/SRL2 kann das HD Audio-Multitasking für Navigation oder Musik nicht mehr genutzt werden. Hier steht dann nur noch die Software Audio-Überlagerung mit Qualitätseinbußen zur Verfügung.

Es ist grundsätzlich nicht möglich Musik und Navigationsansagen gleichzeitig aus zwei unterschiedlichen Quellen zu hören! Hier gibt es nur die Möglichkeit ein und dasselbe Gerät wie z.B. ein Smartphone oder ein Navigationsgerät für Musik und Navigation zu nutzen, da hier das Smartphone/Navigationsgerät den Audio-Mix steuert und an das BMW TFT bzw. Sena Headset übergibt.

Prioritäten

Es gibt zwei Arten von Prioritäten bei Sena Headsets:

Gekoppelte Geräte

  • Handy1 und Handy2 sind gleichberechtigt und haben eine hohe Priorität.
  • GPS hat eine niedrigere Priorität.

Bluetooth Protokolle

  • HSP/HFP hat immer die höchste Priorität.
  • A2DP die niedrigste Priorität.

Was bedeutet das nun bei Geräten ohne Audio-Multitasking bzw. abgeschalteter Funktion?

  • Ein Telefonanruf auf Handy1/2 wird immer das Navigationsgerät, welches als „GPS koppeln“ im Sena gekoppelt wurde, unterbrechen, auch wenn beide HSP/HFP nutzen. Das gilt auch für eine Intercom-Verbindung.
  • Eine Audioausgabe durch Musik oder Navigationsansagen über A2DP wird eine Intercom-Verbindung nicht unterbrechen.
  • Wenn das Navigationsgerät, welches als „GPS koppeln“ im Sena gekoppelt wurde, dass höherwertige HSP/HFP Protokoll nutzt, wird die Intercom-Verbindung durch das GPS unterbrochen. Das Sena weiß ja nicht, ob es eine Navigationsansage ist oder ein Telefonanruf.

BMW TFT Display und Sena Headsets

Ein Smartphone das mit dem BMW TFT verbunden ist, kann die Bluetooth Protokolle A2DP und HSP/HFP nutzen. Welches Protokoll genutzt wird, hängt von der Anwendung ab. Telefonie nutzt HSP/HFP, Musik nutzt A2DP. Die Ausgabeprotokolle kann man oft auch in den Apps einstellen, z.B. bei TomTom Go, Blitzer.de und Kurviger.

Ein verbundenes (Sena) Headset ist im Sinne von Bluetooth ein primitives Wiedergabegerät, welches passiv auf die Steuerung und die Wechsel der Bluetooth Protokolle der verbundenen Geräte reagiert.

Die Bluetooth Protokolle können nicht gleichzeitig genutzt werden, sondern immer nur nacheinander (seriell).

Änderungen vorbehalten.

Stand: 21.07.2021

Zuletzt geändert: 14. November 2021

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