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Coole Effekte, einzigartige Perspektiven und das alles ohne Drohne? Ja, mit einer 360-Grad-Kamera kann man seine Videos ordentlich pimpen. Ich habe mich nach dem Desaster mit der Insta360, für die GoPro Max entschieden und werde euch meine Eindrücke und Erfahrungen nachfolgend mitteilen.

Wie ihr es schon aus meinen anderen Berichten, z.B. zur GoPro 9 und GoPro 7 kennt, werde ich hier nicht zu sehr auf technische Details eingehen. Vieles könnt ihr euch bei YouTube ansehen oder aus den Angaben des Herstellers entnehmen.

Was dort aber nicht gesagt wird und dennoch wichtig zu wissen ist, bekommt ihr bei mir zu lesen.

GoPro Max

Bei der GoPro Max handelt es sich um eine Kamera mit zwei 180°-Objektiven, die leider asymmetrisch angebracht sind. Warum GoPro diesen Weg geht ist mir nicht ganz klar, da eine symmetrische Anordnung einen entscheidenden Vorteil hat.

Vergleich GoPro Max, Hero 9 und Session 5
GoPro Max (links) mit asymmetrischen Objektiven

Bei einer 360-Grad-Kamera mit mehreren Objektiven werden die Einzelbilder zu einem Bild zusammengesetzt (Stitching). An der Übergangskante von einem Objektiv (180°-Bild) zum anderen, entsteht eine mehr oder weniger unsichtbare Linie, die Stitching-Line. Da nun bei der GoPro Max die Objektive versetzt angebracht sind, entsteht an diesem Bildübergang, durch den Objektivversatz, eine leichte Kante.

Diese Kante kann je nach Bildausschnitt recht störend sein. Besonders fällt das bei geraden Linien im Nahbereich auf. Bei Landschaftsaufnahmen ist das allerdings nicht zu bemerken, da mit Zunahme der Entfernung der Versatz kleiner wird.

Bei einer symmetrischen Anordnung der Objektive, würde es diese Kante nicht geben bzw. würde sie deutlich reduzierter sein.

6K oder 5,6K oder Full HD?

GoPro wirbt damit, dass die Kamera bei 360°-Videos intern mit 6K Auflösung arbeitet und die 360°-Videos dann in 5,6K (durch Stitching-Verluste) zur Verfügung gestellt werden.

Hier muss man nun genau aufpassen und darf sich nicht von den Zahlen blenden lassen. Ein Export (Rendern) der Bildausschnitte (Reframe), die man z.B. haben möchte, um sie in einem Videoschnittprogramm zu nutzen, können mit der GoPro Player Software, nur mit max. 1080p (Full HD) ausgebeben werden.

Es gibt keine Möglichkeit ein Reframe-bearbeitetes Video, z.B. mit 1440p zu exportieren. Warum 1440p so wichtig wäre, erkläre ich im YouTube Abschnitt. Das ist aus meiner Sicht wirklich ein sehr großer Nachteil der GoPro-Lösung.

Licht und Schatten

Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass die GoPro Max eine Kamera ist, die sehr viel Licht braucht. Ohne ausreichendes Licht ist die Qualität nicht besonders gut. Die Kamera blüht erst richtig auf, wenn es sehr sonnig ist. Ist der Himmel bewölkt fängt das Bildrauschen an!

Wie man es von den normalen GoPro Kameras bereits kennt, hat auch die GoPro Max die sehr gute Bildstabilisierung mit an Bord. Die Max ist GoPro-typisch einfach zu bedienen und alle Funktionen, wie z.B. Zeitraffer usw., werden direkt in der Kamera verarbeitet.

YouTube

Hat man nun ein cooles Video erstellt, in Full HD (1080p) exportiert und möchte es bei YouTube hochgeladen, ist nichts schneller getan als das. YouTube stellt dann das Video, nach dem Import, in Full HD (1080p) zur Verfügung,

Wenn man sich das Video dann allerdings ansieht, kommt die große Ernüchterung: Artefakte, das Bild ist matschig und sieht einfach richtig übel aus. Hier schlägt die interne Komprimierung von YouTube voll zu.

Alle Videos die man mit einer Auflösung bis Full HD (1080p) hochlädt, werden mit dem YouTube AVC1 Codec komprimiert! Dieser Codec ist nicht optimal und sorgt für diese schlechte Qualität, besonders wenn es viele Bewegungen im Bild gibt.

Erst höhere Auflösungen, wie z.B. 1440p (2K), 2,7K oder 4K, werden beim Hochladen mit dem deutlich besseren VP09 Codec komprimiert und sehen auf YouTube richtig gut aus.

In welchem Codec das Video verarbeitet wurde, sieht man, wenn man mit der rechten Maustaste ins YouTube-Video klickt und dann “Statistiken für Interessierte” auswählt.

YouTube technische Videodaten

Da der GoPro Player aber die 1440er Auflösung nicht bietet, können wir diese bessere Qualität leider nicht mit Boardmitteln bei YouTube nutzen.

Es gibt dennoch verschiedene alternative Möglichkeiten, wie z.B. Apple Final Cut Pro oder die kostenlose Version Apple iMovie (der erster Clip im Video bestimmt dabei die Exportauflösung), die Auflösung nach oben zu skalieren. Ideal ist das aber nicht. Der GoPro Player bietet zwar auch ein Skalieren an, aber nur auf 4K.

Eine weitere Möglichkeit sind Skalierungsprogramme, wie z.B. Apple Compressor. Der bessere Weg wäre aber eine direkte Ausgabe oder Skalierung in 1440p mit dem GoPro Player.

Tipp:

Wenn ihr eure Videos weiterhin in Full HD produzieren wollt, skaliert das Video für den YouTube Import immer auf 1440p hoch, um eine bessere Qualität zu erhalten.

Fernbedienung

GoPro hat Ende 2020 eine neue Fernbedienung “The Remote” für die Hero 8 und 9 sowie der Max angekündigt, die nur noch auf Bluetooth LE basiert. Die Fernbedingung ist seit Anfang Februar in Europa verfügbar und wird seitdem ausgiebig von mir getestet.

The Remote ARMTE-003
The Remote ARMTE-003

Koppeln und Betrieb waren schnell und einfach durchzuführen. Die Qualität fühlt sich gut an aber das Display ist leider nicht ganz gerade eingebaut.

Geladen wir die Fernbedienung nicht mehr über einen properietären Stecker, sondern über einen USB-C Anschluss, der sich unten am Gehäuse befindet.

Nun hat GoPro das Display deutlich vergrößert, aber die Anzeigen sind in Verbindung mit der Max so klein, dass es schwierig ist, diese auch während der Fahrt abzulesen. Eine Vergrößerung ist in den Einstellungen nicht vorgesehen. Das Display kann in 90°-Schritten gedreht werden.

Es ist leider nicht möglich, die Panoramafunktion der GoPro Max über die Fernbedienung im Foto Modus auszuwählen. Generell ist die Bedienung und Anzeige mit der Fernbedienung etwas anders als mit der Hero 9.

Die neue Fernbedienung funktioniert bisher ohne Probleme und es gibt, bis auf die kleinen Anzeigen, keine Kritikpunkte. Wie lange der Akku hält (Tage oder Wochen) kann ich noch nicht sagen, da der Stromverbrauch extrem gering ist und ich es noch nicht geschafft habe, diesen zu entleeren.

Eine Halterung fürs Motorrad ist am Markt noch nicht verfügbar aber wir haben eine entwickelt und ist hier zu finden.

Wo ist die beste Monatgepostion der Kamera?

Wo montiere ich nun die Kamera? Diese Frage kann man leider nicht pauschal beantworten und der ideale Standort muss durch viel probieren selbst gefunden werden.

Blinkerhalterung GoPro Max
Befestigung an der Blinkerhalterung

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass durch einen größeren Abstand zum Befestigungsobjekt ein besserer Eindruck entsteht, da die Kamera dann im Ergebnis zu “fliegen” scheint.

Weitere mögliche (theoretische) Montagepositionen

Auch wenn die GoPro Max eine sehr gute Bildstabilisierung hat, ist eine möglichst schwingungsfreie Montage zu empfehlen. Einige Infos zu Befestigungsmöglichkeiten, habe ich hier zusammengeschrieben.

Die unsichtbare Halterung

Soll eine Verlängerung (wie z.B. bei einem Selfie-Stick) für einen fliegenden Eindruck genutzt werden, müsst ihr unbedingt darauf achten, dass die Kamera in einer Linie mit der Verlängerung montiert ist. Die Verlängerung verschwindet dann in der Stitching-Line.

Einfaches Montage Handling

Ein weiterer großer Vorteil der 360°-Technik ist, dass man sich nicht mehr so genau um die Ausrichtung der Kamera kümmern muss, denn den Bildausschnitt kann man in der Nachbearbeitung frei wählen. Natürlich muss man sich über die zusätzliche Bearbeitungszeit für eine schöne Bildauswahl, neben der Schnittauswahl, im Klaren sein.

Stromversorgung

Man kennt es ja mittlerweile nicht mehr anders von GoPro, aber auch bei der Max ist es nicht vorgesehen, die Kamera im Betrieb mit Strom zu versorgen.

Im Zubehörhandel gibt es eine Akkuklappe mit einer Öffnung für den USB-C Anschluss. Nutzt man diese Klappe, ist die Kamera allerdings nicht mehr wasserdicht!

Zwischenfazit

Nettes Gadget, um Videos aufzupeppen. Allerdings ist die Auflösung für anspruchsvolle bzw. Videos in gute Qualität zu gering. Erst wenn die 360-Grad-Kameras mindestens 8K und mehr unterstützen und auch einen Export in höheren Auslösung als Full HD zulassen, wird es interessant.

Es zeigt sich auch, das die Nachbearbeitung sehr aufwändig ist und man sehr schnell von den Effekten genug hat. Die Kunst wird darin liegen, diese Technik bewusst einzusetzen.

Beispielvideos werde ich veröffentlich, sobald das Wetter wieder besser wird.

Ein erstes kleines Video ist nun fertig.

Zuletzt geändert: 2. April 2021

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